Die Diskussion ist so alt wie das moderne Webdesign selbst: Webflow oder WordPress?
Wenn du als Webdesigner arbeitest, hast du diese Frage sicher schon gehört – oder dir selbst gestellt. Und wenn du mal durch LinkedIn oder Webdesigner-Foren scrollst, findest du gefühlt täglich neue Beiträge à la:
„Webflow ist die Zukunft!“
„WordPress dominiert das Web!“
„Wer braucht Webflow, wenn man Elementor hat?“
Die Wahrheit ist: Es gibt nicht DAS eine perfekte System.
Es gibt nur das richtige Werkzeug für den richtigen Job.
Ich arbeite mit beiden Systemen – nicht, weil ich entscheidungsschwach bin, sondern weil ich meine Kunden nicht in eine Schablone pressen will. Mal ehrlich: Ein Klempner kommt ja auch nicht nur mit einer Rohrzange zu jedem Einsatz.
Lass uns also mal schauen, wann Webflow oder WordPress für Webdesigner die bessere Wahl ist – ohne dass du dich durch 50 Foren-Threads mit Fanboys kämpfen musst.
Kurzer Blick in die Vergangenheit – Woher kommen WordPress & Webflow?
Bevor wir Webflow und WordPress vergleichen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Entstehung der beiden Plattformen – denn ihre Ursprünge verraten viel darüber, warum sie heute so unterschiedlich sind.
WordPress – Vom Blogsystem zum Alleskönner
WordPress wurde 2003 von Matt Mullenweg und Mike Little entwickelt – ursprünglich als reines Blogsystem.
Damals war das Webdesign noch eine wilde Mischung aus statischen HTML-Seiten, Tabellen-Layouts (gruselig!) und handgestrickten PHP-Lösungen. Doch dann kam WordPress und machte das Verwalten von Inhalten plötzlich zugänglicher – erst für Blogger, dann für Unternehmen.
Heute läuft über 40 % des Internets auf WordPress – was sowohl beeindruckend als auch ein bisschen angsteinflößend ist.
Webflow – Design-first statt Code-first
Webflow wurde 2013 von Vlad Magdalin gegründet, weil er sich dachte:
“Warum sollten Designer ihre Ideen immer erst durch Entwickler quetschen müssen?”
Statt einer codebasierten CMS-Lösung wollte Webflow eine visuelle Entwicklungsplattform schaffen, die Designern maximale Freiheit gibt – ohne tief in den Code eintauchen zu müssen.
Das Ziel: „The power of code, without writing it.“
Während WordPress von Entwicklern für Inhalte gemacht wurde, wurde Webflow von Designern für Designer entwickelt – und das merkt man.
Kurz gesagt:
• WordPress entstand aus der Content-Welt und hat sich zu einem mächtigen CMS entwickelt.
• Webflow wurde für visuelles Webdesign gebaut und kommt ohne klassische Themes oder Plugins aus.
Beide Plattformen haben ihre Stärken – aber genau deshalb lohnt sich ein Blick auf den direkten Vergleich.
Webflow – Die CNC-Fräse für modernes Webdesign
Wenn du Webflow nutzt, fühlst du dich wie ein Schreiner, der endlich seine CNC-Fräse bedienen darf – präzise, effizient und ohne Umwege.
Was macht Webflow für Webdesigner besonders?
• Direktes visuelles Arbeiten → Kein Backend-Wechsel, kein blindes Coden, sofortiges Design-Ergebnis.
• Sauberer Code & leichte Wartung → Keine Plugin-Flut, keine Überraschungs-Updates, kein „Warum ist plötzlich alles kaputt?!“
• Perfekt für kreative, maßgeschneiderte Layouts → Pixelgenaues Design ohne Workarounds.
Wann Webflow die bessere Wahl ist:
• Du willst eine moderne Unternehmensseite mit individuellem Design umsetzen.
• Der Kunde möchte so wenig Wartung wie möglich (keine Updates, keine Plugins, einfach laufen lassen).
• Du willst komplexe Interaktionen & Animationen direkt im Editor bauen – ohne JavaScript schreiben zu müssen.
Wann Webflow an seine Grenzen stößt:
• Der Kunde braucht spezielle Funktionen, die nicht von Haus aus unterstützt werden (z. B. ein komplexes Buchungssystem).
• Du willst eine hochgradig erweiterbare Website mit API-Integrationen & Drittanbieter-Diensten.
• Ein größerer Content-Management-Workflow mit mehreren Redakteuren wird benötigt.
Webflow ist ideal für individuelle, designorientierte Unternehmensseiten, die sich anfühlen, als hätte ein UX/UI-Designer freie Hand gehabt – weil er es hatte.
WordPress – Der Werkzeugkasten für skalierbare & funktionsreiche Websites
WordPress ist wie eine gut ausgestattete Werkstatt: Du kannst fast alles bauen – wenn du das richtige Werkzeug hast.
Was macht WordPress für Webdesigner besonders?
• Flexibel erweiterbar → Mit Tausenden von Plugins kannst du (fast) jede Funktion nachrüsten.
• Perfekt für Content- & Marketing-getriebene Seiten → Blog, SEO, Automatisierung – WordPress ist dafür gemacht.
• Massives Ökosystem & Community-Support → Entwickler, Designer, Agenturen – alle nutzen es.
Wann WordPress die bessere Wahl ist:
• Der Kunde braucht eine hochgradig individualisierte Website mit vielen Funktionen.
• Es sollen Blog, Online-Shop, Mitgliederbereiche oder Buchungssysteme integriert werden.
• Der Kunde will eine langfristig skalierbare Lösung, die mit seinem Business wächst.
Wann WordPress an seine Grenzen stößt:
• Der Kunde will eine wartungsfreie Website ohne regelmäßige Updates & Plugin-Pflege.
• Design & Interaktionen sollen ohne Builder oder Custom Code perfekt umgesetzt werden.
• Der Fokus liegt rein auf einer visuellen Unternehmensseite ohne viele Funktionen.
WordPress ist ideal für Websites mit vielen Funktionen, dynamischen Inhalten und Wachstumsplänen – vor allem, wenn ein Kunde langfristig mehr als nur eine digitale Visitenkarte will.
Fazit: Webdesigner sollten beide Tools beherrschen
Egal, ob du Freelancer oder Agentur bist: Keines der beiden Systeme ist die „beste“ Lösung für alles.
Warum ich beide Systeme nutze?
• Webflow ermöglicht mir pixelgenaue, saubere Designs, ohne Kompromisse.
• WordPress gibt mir die Freiheit, große & skalierbare Websites mit komplexen Funktionen zu bauen.
• Ich kann meinen Kunden genau das System bieten, das für ihr Projekt am besten geeignet ist.
Wenn du nur ein einziges System kennst, verpasst du entweder die Effizienz von Webflow oder die Vielseitigkeit von WordPress.
Mein Rat? Lerne beide Systeme kennen – und nutze das richtige Werkzeug für den richtigen Job.